Die Ringstraße

Die Entstehung der Ringstraße

1857 wurde die Stadtmauer mit ihren Basteien geschliffen, und in den folgenden Jahren entstand rund um das historische Stadtzentrum diese großzügig angelegte Straße mit repräsentativen öffentlichen Bauwerken, privaten Palästen, Plätzen und Parkanlagen, Denkmälern und eleganten Cafés.


Die Ringstraße bildet die Hauptverkehrsstraße Wiens und grenz gleichzeitig die Wiener Innenstadt von den Vorstädten ab. An ihrer Stelle stand einst die mächtige Stadtmauer mit ihren Toren und Basteien. Seit der Gründung der Stadt wurde sie immer wieder durch verschiedene Arten von Mauern geschützt, doch als im Zuge der Industrialisierung die gewaltige Stadtmauer störend wurde und der Stadtentwicklung entgegenwirckte, musste auch sie weichen. So entstand eine der einzigartigsten Prachtstraßen Europas, die eine Länge von 4 km besitzt und an einigen Plätzen eine Breite von 56 m. Außerdem besteht sie aus 10 Abschnitten, die nach wichtigen Personen der Stadt oder nach den ehemaligen Stadttoren bzw. den Basteien benannt wurden.

Die kaiserlichen Verfügungen von 1857 und 1858:

 

Am 25. Dezember 1857 überraschte die amtliche "Wiener Zeitung" die Bevölkerung mit dem Abdruck des Schreibens Kaiser Franz Josefs an Freiherrn von Bach, den Minister des Inneren, in dem er seine Stadterweiterungspläne bekannt gab.

Kaiser Franz Josef

Hier ein Auszug aus dem Zeitungsartikel:

"Lieber Freiherr von Bach!


Es ist Mein Wille, dass die Erweiterung der inneren Stadt Wien mit Rücksicht auf eine entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ermöglichst in Angriff genommen und hierbei auch auf die Regulierung und Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht genommen werde. Zu diesem Ende bewillige Ich die Auflassung der Umwallung und der Fortifikationen der inneren Stadt sowie der Gräben um dieselbe.

Freiherrn von Bach

Auf die Herstellung öffentlicher Gebäude, namentlich eines neuen General-Kommandos, einer Stadt-Kommandantur, eines Opernhauses, eines Reichsarchivs, einer Bibliothek, eines Stadt-Hauses, dann der nötigen Gebäude für Museen und Galerien ist Bedacht zu nehmen.


Sonst aber soll im Anschluss an den Quai längs dem Donaukanal rings um die innere Stadt ein Gürtel in der Breite von mindestens vierzig Klafter, bestehend aus einer Fahrstraße mit Fuß- und Reitwegen zu beiden Seiten, auf dem Glacisgrunde in der Art angelegt werden, dass dieser Gürtel eine angemessene Einfassung von Gebäuden abwechselnd mit freien zu Gartenanlagen bestimmten Plätzen erhalte."

Wettbewerbsplan von van der Nüll und Siccardsburg (1858)

Laut kaiserlicher Anordnung sollten also die inzwischen nutzlosen Stadtmauern niedergerissen werden und der Ring zur Paradestraße umgebaut werden. Dabei sollte auch die freie Fläche außerhalb der Stadtmauern, das sogenannte "Glacis" mit einbezogen werden, auf dem es bis dahin nicht erlaubt war zu bauen, da man freie Sicht auf eventuell anstürmende Feinde haben wollte.

 

Daraufhin schrieb man einen Wettbewerb aus, worauf unzählige Vorschläge und Entwürfe einlangten.

 

Einer der 426 Bewerber riet, den Stadtgraben nicht zu verschütten, sondern einzuwölben. Dieser rings um die Innenstadt führende Riesentunnel sollte in der Mitte eine zweigleisige Bahn für Schienenfuhrwerke und an den Seiten mit Ausnützung der vorhandenen Kasemattenräume Markhallen und Magazine enthalten. 130 Jahre später wurde sein Vorschlag verwirklicht: Heute fährt dort die U-Bahn. Ein anderer hatte den Einfall, ein slawisches, ungarisches, italienisches und griechisches Viertel zu schaffen. Auch daraus wurde damals nichts.

Am 15. Dezember 1858 gab der Kaiser eine neue Direktive heraus:


Am äußeren Burgplatz, zur Hofgartenseite hin, sollte ein Gebäude für die Hofappartements entstehen und auf der Seite des Volksgartens die Hofbibliothek. Die neue Oper sollte rechts vom Kärntnertor erbaut werden, das Schauspielhaus ungefähr an der Stelle des Paradiesgärtchens. Der Raum gegenüber dem Hofgarten wurde für ein Naturhistorisches und Kunsthistorisches Museum bestimmt, während das neue Stadthaus rechts vom Schottentor errichtet werden sollte, dem Ausgangspunkt der neuen Hauptverkehrswege.

 

Für den Universitätsbau wurde ein Platz in der Nähe der Votivkirche festgesetzt, deren Errichtung schon vor der geplanten Stadterweiterung beschlossen wurde. Die Unterbringung des Reichsarchivs durfte im Gebäude, das für die Hofbibliothek vorgesehen war, erfolgen. Die Markthallen sollten unter teilweiser Miteinbeziehung des Stadtgrabenareals in der Weise verteilt werden, dass zwischen Defensivkaserne und Donaukanal zwei und zwischen Karolinen- und Stubentor drei errichtet werden.

Trotz allen Bestrebungen, den 1. Bezirk zu öffnen und mit den Vorstädten zu verbinden, wurde vom Kaiser aber auch gefordert, "dass die Anlage der Ringstraße besonders auf die militärische Strategie Rücksicht zu nehmen habe".


Der Bogen der Ringstraße wurde daher an seiner Sehne, dem Donaukanal, zwischen zwei festungsartige Kasernenanlagen (Franz-Josephs- und Rossauer-Kaserne) eingespannt, deren Vorfeld nicht verbaut werden durfte, um es im Fall eines Ansturms rebellierender Menschenmassen aus den Vorstädten mit flankierendem Feuer belegen zu können.

 

Aus dem gleichen Grund sollten auch zwei "Ringstraßenforts" inmitten der Fahrbahn beim Schwarzenbergplatz und dem Schottentor errichtet werden, welche aber nie gebaut wurden. Zur Sicherung des Burgbereiches wurde das heute noch bestehende hohe Eisengitter zwischen Goethe-Denkmal und Burgtheater errichtet.

Der Burggarten, das Burgtor, den Volksgarten samt Theseus-Tempel gab es schon und die Votivkirche befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Bau.


Die Abbucharbeiten der Befestigungsanlagen wurden im März 1858 in Angriff genommen, der Ringstraße begann am 29. Februar 1864.


1862 wurde der Stadtpark eröffnet, 1863 erfolgte die Grundsteinlegung der Oper. Trotz dreier Kriege war die Ringstraße in 7 Jahren vollendet und konnte von Kaiser Franz Joseph am 1. Mai 1865 eröffnet werden. Die Baukosten bis zur Eröffnung betrugen 1.294.000 fl, wobei alleine für die Bepflanzung 80.000 fl aufgewendet wurden.


Erst 10 Jahre nach der Ringstraßeneröffnung begann man mit dem Großteil der Prunkbauten wie Parlament, Universität, Burgtheater, PSK, Regierungsgebäude und Neuer Hofburg.

Quelle: www.lenne-schulde.de

Bildquelle: Public Domain / Gemeinfrei

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